Merit Order
Wie Strompreise an der Börse entstehen
Definition:
Die Merit Order beschreibt die Einsatzreihenfolge, in der Kraftwerke an der Strombörse zum Einsatz kommen, um Nachfrage zu decken. Das Prinzip ist einfach: Günstigste Erzeuger werden zuerst gerufen, teuerste zuletzt. Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, um die gesamte Nachfrage zu decken – das sogenannte Grenzkraftwerk – bestimmt mit seinem Angebotspreis den Börsenpreis für alle anderen Erzeuger. Dieser Preismechanismus erklärt, warum erneuerbare Energien den Börsenstrompreis drücken und warum Batteriespeicher in bestimmten Stunden lukrativ sind.
Wie funktioniert die Merit Order praktisch?
Jeder Stromproduzent gibt an der Börse an, zu welchem Mindestpreis er bereit ist, Strom zu liefern. Windkraftwerke und Solaranlagen haben nahezu keine variablen Kosten und bieten deshalb zum niedrigsten Preis an – oft sogar zu null oder mit Subvention. Gas- und Kohlekraftwerke haben höhere Betriebskosten und bieten entsprechend teurer an. Die Nachfrage bestimmt dann, wie viele dieser Kraftwerke in dieser Stunde hochgefahren werden müssen.
Das Grenzkraftwerk: Wie entsteht der Marktpreis?
Das teuerste Kraftwerk, das noch zur Bedarfsdeckung gebraucht wird, heißt Grenzkraftwerk. Sein Angebotspreis bestimmt den Marktpreis für diese Stunde – und alle anderen Erzeuger, einschließlich Wind und Solar, erhalten denselben Preis. Das bedeutet: Windkraftwerke mit nahezu null Betriebskosten erhalten den gleichen Preis wie das Gaskraftwerk, nur weil dieses Gaskraftwerk gerade noch gebraucht wird. Das ist der ökonomische Kern der Merit Order.
Der Merit-Order-Effekt: Warum erneuerbare Energien die Preise drücken:
Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien verschiebt sich die Merit Order nach unten. Wind und Solar drängen teure Kohlekraftwerke aus dem Einsatz. Das hat zur Folge: Das Grenzkraftwerk wird immer billiger, der Börsenstrompreis sinkt. Das ist der sogenannte Merit-Order-Effekt – ein direkter, nachweisbarer Effekt, der Shows, wie Erneuerbarer die Strompreise senken.
Negative Preise: Das Extrem der Merit Order:
An sonnigen oder windigen Wochentagen produzieren Wind und Solar so viel Strom, dass selbst das günstigste konventionelle Kraftwerk nicht mehr gebraucht wird. In solchen Stunden fällt der Börsenstrompreis auf null oder darunter – der Preis wird negativ. Kraftwerke, die sich nicht schnell genug abschalten lassen, zahlen dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Genau in diesen Stunden können Batteriespeicher kostenlos laden – und den Strom später teuer wieder abgeben.
Relevanz für Batteriespeicher:
Ein Batteriespeicher nutzt die Merit Order indirekt: Ein prognosebasiertes Orchestrierungssystem analysiert die Day-Ahead- und Intraday-Preise, die direkt aus der Merit Order entstehen. Es entlädt den Speicher gezielt in Hochpreisphasen (wenn das Grenzkraftwerk teuer ist) und lädt ihn in günstigen Phasen (wenn erneuerbare den Preis drücken oder negativ machen). Je größer der Preisspread durch die Merit Order, desto attraktiver ist der Arbitragebetrieb.
Das Wichtigste zusammengefasst:
Die Merit Order erklärt, warum Strompreise schwanken und warum Batteriespeicher wirtschaftlich sinnvoll sind. Wo Erneuerbare Preise drücken und Speicher günstig laden können – dort entsteht der maximale Wert aus Speicherbetrieb.
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