BTM Trading
Stromhandel mit dem Batteriespeicher hinter dem Zähler
Definition:
BTM Trading (Behind-the-Meter Trading) bezeichnet den aktiven Stromhandel mit einem Batteriespeicher, der sich hinter dem Stromzähler auf dem Betriebsgelände befindet. Der Speicher lädt zu Zeiten niedriger oder negativer Preise und entlädt zu Hochpreiszeiten – entweder für den eigenen Verbrauch oder durch Rückeinspeisung ins öffentliche Netz. Ziel ist die Erschließung zusätzlicher Erlöse aus Preisschwankungen am Spotmarkt.
Das Konzept: Arbitrage mit dem Speicher:
Der wirtschaftliche Kern von BTM Trading ist Arbitrage – das klassische Prinzip, günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Ein Speicher lädt Strom dann aus dem Netz, wenn die EPEX-Spotpreise niedrig oder negativ sind (Überproduktion, schwache Nachfrage). Dieser Strom wird gespeichert und später eingespeist oder verbraucht, wenn die Preise deutlich höher sind. Die Gewinnmarge ist die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis.
Beispiel: Ein Speicher lädt Strom zu -5 €/MWh (die Betreiber werden noch bezahlt, weil das Netz überlastet ist) und speist ihn zu 200 €/MWh ein. Die Arbitrage-Marge beträgt 205 €/MWh – extrem attraktiv.
Warum ist BTM Trading attraktiv?
Mit wachsenden erneuerbaren Energien entstehen immer mehr Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen – und gleichzeitig Stunden mit hohen Preisen. Der Preisspread am EPEX Spot wächst kontinuierlich. Diese Volatilität ist der Nährboden für BTM Trading. Je größer die Schwankungen, desto höher die Arbitrage-Gewinnmöglichkeiten.
Die Herausforderung: Messabgrenzung und Netzentgelte:
Da der Speicher sich den Netzanschluss mit anderen Verbrauchern teilt, muss technisch sauber zwischen Eigenverbrauch und Markteinspeisung getrennt werden. Nur Strom, der tatsächlich für den Handel bezogen und wieder eingespeist wird, ist von Netzentgelten befreit. Wird derselbe Speicher auch für Eigenverbrauch genutzt, war dies bislang kompliziert. Die EnWG-Novelle 2025 hat dies verbessert, indem die Netzentgeltbefreiung auf teilweise einspeisende Multi-Use-Speicher ausgeweitet wurde – BTM Trading wird damit wirtschaftlich attraktiver.
Die zentrale Rolle des Orchestrierungssystems:
BTM Trading funktioniert nicht ohne intelligente Steuerung. Das System muss täglich (oder sogar stündlich) EPEX Day-Ahead und Intraday-Preise analysieren, Prognosen erstellen und automatisiert entscheiden: Wann laden, wann entladen, wann einspeisen? Manuelle Reaktionen auf Preisschwankungen erfolgen viel zu langsam. Ein prognosebasiertes Orchestrierungssystem ist die Voraussetzung, um den wirtschaftlichen Nutzen von BTM Trading wirklich zu heben.
Das Wichtigste zusammengefasst:
BTM Trading nutzt Preisschwankungen am Strommarkt aus – der Speicher wird zur Handelsanlage. Mit wachsendem Preisspread und verbessertem Regelwerk (EnWG 2025) wird BTM Trading für Gewerbebetriebe zunehmend attraktiv. Ohne intelligente Steuerung bleibt das Potenzial aber ungenutzt.
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