Blogbeitrag

Multi-Use-Batteriespeicher 2026: Behind-the-Meter wird das neue Infront-the-Meter

MiSpeL, EnWG-Novelle und das BNetzA-Orientierungspapier öffnen ab 2026 den Multi-Use-Betrieb von Batteriespeichern für Gewerbe und Industrie.

Neue regulatorische Spielregeln ab 2026 für Gewerbe und Industrie

Das Wichtigste in Kürze

  • Multi-Use wird wirtschaftlich: Behind-the-Meter-Batteriespeicher dürfen ab 2026 interne Lastoptimierung und aktive Marktteilnahme erstmals sinnvoll kombinieren.
  • Drei regulatorische Treiber: MiSpeL, EnWG-Novelle und das BNetzA-Orientierungspapier vom 16.01.2026 entschärfen die bisherigen Hürden bei EEG-Förderung und doppelten Netzentgelten.
  • Was das für Unternehmen heißt: niedrigere Energiekosten plus zusätzliche Erlöspotenziale – vorausgesetzt, Auslegung, Steuerung und Vermarktung werden ganzheitlich gedacht.

Behind-the-Meter-Batteriespeicher (BTM), Speicher die verbraucherseitig hinter dem Zähler angeschlossen sind, werden in Gewerbe und Industrie seit Jahren erfolgreich eingesetzt, um Stromkosten zu senken. Batteriespeicher ermöglichen es Unternehmen, Lastspitzen zu reduzieren, Eigenverbrauch zu erhöhen und dynamische Stromtarife besser zu nutzen.

Was sich jedoch aktuell grundlegend ändert, ist die Rolle des Speichers selbst. Durch neue regulatorische Rahmenbedingungen wird der BTM-Speicher von einem reinen Kostenoptimierungsinstrument zu einem Multi-Use-Energiesystem, das mehrere wirtschaftliche Funktionen gleichzeitig erfüllen kann.

Dieser Beitrag zeigt, wie Unternehmen BTM-Speicher heute wirtschaftlich planen und nutzen können, welche neuen Möglichkeiten dadurch entstehen und wie die aktuellen Regulatorikänderungen einzuordnen sind.

Multi-Use-Batteriespeicher als aktiver Baustein im Energiemarkt

Ein Multi-Use-Speicher ist ein Batteriespeicher, der nicht nur eine einzelne Aufgabe erfüllt, sondern mehrere Anwendungsfälle intelligent miteinander kombiniert. Während Speicher früher meist auf verbrauchsseitige Optimierung ausgelegt waren, können sie zukünftig flexibel und marktaktiv eingesetzt werden.

Aus Kundensicht bedeutet Multi-Use, dass ein Speicher beispielsweise gleichzeitig die Lastspitzen des Unternehmens glättet, den Eigenverbrauch aus eigener Erzeugung optimiert und aktiv am Strommarkt teilnimmt.

Der Speicher reagiert dabei nicht nur auf interne Verbrauchssituationen, sondern auch auf externe Marktsignale. Er kann Strom in Zeiten niedriger Preise aufnehmen, zu späteren Zeitpunkten wieder abgeben (Energy-Arbitrage) oder gezielt Flexibilität (Regelenergie) bereitstellen. Entscheidend ist, dass diese verschiedenen Nutzungen nicht isoliert stattfinden, sondern über ein intelligentes Energiemanagement- und Orchestrierungssystem priorisiert und koordiniert gesteuert werden.

Damit wird der BTM-Speicher vom reinen Kostenoptimierer zu einem aktiven wirtschaftlichen Baustein im Energiemarkt und für das Unternehmen.

Multi-Use war zwar technisch möglich, aber regulatorisch nicht umsetzbar

In der Vergangenheit war der Einsatz von BTM-Speichern im Multi-Use technisch zwar schon möglich, regulatorisch jedoch stark eingeschränkt. Unternehmen nutzten Speicher daher überwiegend für interne Optimierungszwecke, eine aktive Marktteilnahme war ausschließlich Infront-the-Meter Utility-Scale Speichern vorbehalten. Die aktive Marktteilnahme war für BTM-Speicher vor allem aus zwei Gründen schwierig.

Zum einen gilt eine strikte Trennung zwischen EEG-gefördertem Strom aus der eigenen Erzeugung, dem sogenannten Grünstrom, und Strom aus dem öffentlichen Netz, dem sogenannten Graustrom. Wurde ein Speicher aus beiden Quellen geladen (Mischstrom), konnte der gespeicherte Strom nicht mehr eindeutig als EEG-Strom abgegrenzt werden. Die Folge war der Verlust der EEG-Einspeisevergütung für aus dem Speicher eingespeisten Strom, was diese Konzepte oft von vornherein ausschloss. Mit der Marktintegration von Speichern wird diese Einschränkung nun aufgelöst, da Speicher künftig so betrieben werden können, dass unterschiedliche Stromquellen genutzt werden, ohne automatisch Förderansprüche zu verlieren.

Zum anderen bestand eine zentrale Hürde in der netzentgeltlichen Behandlung von Speichern. BTM-Speicher galten als eine Kombination aus Verbraucher und Erzeuger. Beim Laden des Speichers aus dem Netz fielen Netzentgelte an, während bei einer späteren Einspeisung aus dem Speicher erneut Netzentgelte erhoben wurden. Diese doppelte Belastung machte eine marktaktive Nutzung von BTM-Speichern wirtschaftlich unattraktiv und verhinderte in der Praxis eine sinnvolle Mehrfachnutzung. Mit der neuen Einordnung von Speichern, insbesondere im Rahmen von AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom), wird diese Logik schrittweise aufgehoben und Speicher als eigenständige Flexibilitätskomponenten im Energiesystem betrachtet.

Durch diese Änderungen wird erstmals ein wirtschaftlicher Multi-Use-Betrieb von BTM-Speichern möglich, bei dem interne Optimierung und aktive Marktteilnahme sinnvoll kombiniert werden können.

MiSpeL und EnWG-Novelle als regulatorische Weichen für Marktteilnahme und Vermarktung

Mit der Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) sowie der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) Ende des Jahres 2025, werden diese neuen Nutzungsmöglichkeiten am Markt regulatorisch in Aussicht gestellt.

Damit wird es möglich, Strommengen gezielt zu vermarkten und Flexibilität als eigenständige Leistung bereitzustellen. Speicher können auf Marktsignale reagieren, kurzfristige Chancen nutzen und perspektivisch auch in aggregierte Vermarktungsmodelle eingebunden werden.

Die EnWG-Novelle schafft dabei den rechtlichen Rahmen, um Speicher, Verbrauch und Eigenerzeugung stärker zusammenzudenken und Marktteilnahmeoptionen für Letztverbraucher auszubauen. Diese Änderungen erhöhen die Planbarkeit von Speicherprojekten und schaffen mehr Investitionssicherheit.

Das BNetzA-Orientierungspapier sorgt für mehr Klarheit in der Praxis

Am 16.01.2026 hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) ein neues Orientierungspapier veröffentlicht, das die zuvor genannten regulatorischen Bausteine noch klarer miteinander verknüpft. Dieses Papier dient nicht als formelles Regelwerk, sondern steht für die Übergangsphase von Konzepten zu anwendungsnahen, operativen Vorgaben.

Das Orientierungspapier zeigt auf, wie MiSpeL, EnWG-Novelle und AgNes zusammenspielen sollen, und adressiert konkrete Fragestellungen, etwa zur Mess- und Abgrenzungstechnik, zur netzentgeltlichen Behandlung und zur Marktkommunikation.

Für Unternehmen ist das ein wichtiges Signal: Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden zunehmend konkret, umsetzbar und verlässlich, was die Kalkulierbarkeit von Multi-Use-Projekten maßgeblich verbessert.

Kurz gesagt sorgt das Orientierungspapier dafür, dass die aktuellen Entwicklungen nicht nur theoretische Möglichkeit bleiben, sondern schrittweise in die operative Realität überführt werden.

Gewerbe und Industrie dürfen ihre Speicher neu denken – oder denken lassen

Für Unternehmen jeder Größe ergibt sich daraus ein neuer Mehrwert. BTM-Speicher können künftig so ausgelegt und betrieben werden, dass sie Stromkosten durch Lastmanagement senken, Eigenverbrauch und Eigenerzeugung optimal einbinden und darüber hinaus Strom sowie Flexibilität aktiv vermarkten.

Der wirtschaftliche Nutzen entsteht dabei nicht durch eine einzelne Anwendung, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Funktionen. Entscheidend ist eine ganzheitliche Planung und Umsetzung, bei der technische Auslegung, intelligente Steuerung und regulatorische Rahmenbedingungen von Anfang an berücksichtigt werden.

Durch ganzheitliche Projektierung im Rahmen eines Energy-as-a-Service-Ansatzes lassen sich neue Wettbewerbsvorteile aus einer Hand erschließen – ob im Gewerbe oder in der Industrie.

Behind-the-Meter wird durch Multi-Use zum neuen Infront-the-Meter

Die neuen regulatorischen Spielregeln verändern nicht die Technologie der Batteriespeicher, sondern ihre Einsetzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten, die bislang vor allem Utility-Scale-Batteriespeichern im Infront-the-Meter-Bereich vorbehalten waren. Verbraucherseitige Batteriespeicher entwickeln sich vom reinen Instrument zur internen Kostenoptimierung zu Multi-Use-Assets, die aktiv zur Energiebeschaffung, Vermarktung und Flexibilisierung beitragen können.

Unternehmen, die diese Entwicklung frühzeitig aufgreifen und ihre Speicherprojekte entsprechend ausrichten, sichern sich nicht nur niedrigere Energiekosten, sondern zusätzliche Erlöspotenziale und langfristige Flexibilität im Energiemarkt.

Häufige Fragen zu Multi-Use-Batteriespeichern

Was ist ein Multi-Use-Batteriespeicher?

Ein Multi-Use-Batteriespeicher kombiniert mehrere Anwendungsfälle in einem Asset: Lastspitzenglättung, Eigenverbrauchsoptimierung und aktive Strommarkt-Teilnahme (Arbitrage, Regelenergie). Voraussetzung ist ein intelligentes Energiemanagementsystem, das diese Funktionen priorisiert und koordiniert.

Was ändert sich 2026 regulatorisch für Batteriespeicher in Gewerbe und Industrie?

Drei Pakete greifen ineinander: MiSpeL (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten) öffnet Speicher für aktive Marktteilnahme. Die EnWG-Novelle schafft den rechtlichen Rahmen. Das BNetzA-Orientierungspapier vom 16.01.2026 konkretisiert Mess-, Netzentgelt- und Marktkommunikationsfragen. Praktische Folge: BTM-Speicher dürfen erstmals Multi-Use betrieben werden, ohne EEG-Förderung zu verlieren oder doppelt Netzentgelte zu zahlen.

Lohnt sich Multi-Use für mittelständische Unternehmen?

Ja – und besonders dort, wo bisher nur reine Lastoptimierung wirtschaftlich war. Der Multi-Use-Ansatz erschließt zusätzliche Erlösströme (Arbitrage, Regelenergie) und macht Speicherprojekte schneller amortisierbar. Voraussetzung: Auslegung, Steuerung und Vermarktung müssen von Anfang an zusammen gedacht werden.

Was bedeutet AgNes für Batteriespeicher?

Die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) hebt die doppelte Netzentgeltbelastung beim Laden und Entladen schrittweise auf und behandelt Speicher als eigenständige Flexibilitätskomponente. Damit fällt eine der größten wirtschaftlichen Hürden für marktaktive BTM-Speicher.

Wie startet man ein Multi-Use-Speicherprojekt?

Der erste Schritt ist eine Lastganganalyse: Wie sieht das Verbrauchsprofil aus, wo liegen Lastspitzen, welcher Marktbeitrag ist sinnvoll? Auf dieser Basis lassen sich Speichergröße, Steuerungslogik und Vermarktungsstrategie wirtschaftlich auslegen.

Fazit: Was Unternehmen jetzt tun sollten

Wer 2026 in Batteriespeicher investiert, sollte Multi-Use von Anfang an mitdenken. Die regulatorische Tür ist offen, die wirtschaftlichen Hebel sind deutlich größer als bei reiner Lastoptimierung – und der Wettbewerbsvorteil wächst mit jedem Monat, in dem ein Unternehmen schon im neuen Modus operiert, während andere noch mit Einzelfunktionen arbeiten.

Bei Einklang verbinden wir Auslegung, Finanzierung, intelligente Steuerung und Vermarktung in einem Energy-as-a-Service-Modell – damit Multi-Use für Sie nicht in Powerpoint-Folien hängen bleibt, sondern wirtschaftlich auf dem Hof steht.

Potenzialanalyse für Ihren Standort starten →

Datum
27.5.2026
Autorin
Lea Lotter-Becker | Produkt Managerin
Kontaktieren Sie einen Experten
0 157 774 072 74
Mo-Fr: 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr