Blogbeitrag

Industriestrompreis 2026: Wer profitiert und wie Unternehmen den Effekt maximieren

Der Industriestrompreis senkt nicht nur Kosten, sondern eröffnet neue Spielräume für Investitionen und Flexibilisierung. Sein voller Nutzen entsteht dort, wo Strombeschaffung, Verbrauch und Systemdienlichkeit strategisch optimiert werden.
Karte der Strompreise in Europa 2025

Der Industriestrompreis ab 2026 ist ein zentrales energiepolitisches Instrument zur Entlastung energieintensiver Industrieunternehmen über drei Jahre (2026–2028). In einem zunehmend volatilen deutschen Strommarkt soll er die Kosten stabilisieren und zugleich Investitionen in eine flexiblere, effizientere und nachhaltigere Energieversorgung ermöglichen.

Dabei handelt es sich bewusst um eine Differenzförderung und nicht um eine pauschale Strompreisbremse.


Die Förderung basiert auf Marktpreisen statt auf individuellen Stromtarifen, sodass der Marktmechanismus erhalten bleibt. Der größte Mehrwert entsteht dort, wo Unternehmen Strombeschaffung, Verbrauch und Flexibilität strategisch zusammen denken und optimieren.

Davon profitieren nicht nur förderberechtigte Unternehmen – auch nicht subventionierte Betriebe können ihre Energiekosten durch gezielte Flexibilisierung senken.

Funktionsweise der Subventionierung: Zielpreis, Referenzpreis und Beihilfehöhe verständlich erklärt


Die Förderlogik des Industriestrompreises basiert auf drei zentralen Größen:

Der Zielpreis liegt bei 5 ct/kWh und definiert die staatlich gestützte Untergrenze der Förderung.

Der Referenzpreis ergibt sich aus Großhandelsterminkontrakten (Future-Preisen) der deutsch-luxemburgischen Gebotszone. Maßgeblich ist der Jahresmittelwert des Vorjahres mit Lieferung im Abrechnungsjahr, also der Durchschnittspreis, zu dem Strom ein Jahr im Voraus gehandelt wurde. Der Referenzpreis für 2026 liegt bei ca. 9 ct/kWh auf Basis des CAL-26 (Baseload)-Jahres-Ø 2025.

Die Beihilfehöhe ergibt sich aus dem Differenzpreis, dieser entspricht 50 % des Referenzpreises oder wird durch den Zielpreis begrenzt.

Abwärtstrend der Referenzpreise im FörderzeitraumFörderung in der Theorie

Berechnung der Förderhöhe beim Industriestrompreis

Die  Berechnung erfolgt in mehreren Schritten:

Zunächst wird der Referenzpreis aus dem Terminmarkt ermittelt. Daraus ergibt sich ein Differenzwert von 50 % des Referenzpreises, mindestens jedoch ein Schwellenwert von 50 €/MWh. Die Differenz zwischen Referenzpreis und Schwellenwert ist beihilfefähig.

Gefördert werden 50 % des Stromverbrauchs der förderfähigen Haupttätigkeit (Tier-1-Verbrauch).

Die jährliche Beihilfe ergibt sich aus:

Beihilfe = Differenz × förderfähige Strommenge
Für Industrieunternehmen bedeutet das: Eine vorausschauende Planung von Liquidität, Beschaffung und Investitionen wird entscheidend.

Rechenbeispiel: Förderhöhe greifbar gemacht

Ein Industrieunternehmen weist folgende Eckdaten auf:

Der Terminmarktreferenzpreis liegt für 2026 bei 90 €/MWh. Der Schwellenwert greift bei 50 €/MWh, sodass eine beihilfefähige Differenz von 40 €/MWh entsteht.

Der Tier-1-Stromverbrauch des Unternehmens beträgt 20 GWh pro Jahr. Davon sind 50 %, also 10 GWh, förderfähig.

Das ergibt eine jährliche Beihilfe von:
10.000 MWh × 40 €/MWh = 400.000 €

Dieses Beispiel zeigt deutlich:

Die Förderhöhe steigt mit dem Marktpreis – und mit der Qualität der Verbrauchsabgrenzung. Eine optimierte Strombeschaffung kann die reale Entlastungswirkung der Subvention zusätzlich verstärken.

Je besser die Beschaffung im Verhältnis zum Referenzpreis, desto höher ist die Netto-Entlastung.

Degressive Anwendung und zeitlicher Fördereffekt

Der Industriestrompreis ermöglicht eine degressive Förderverteilung („Frontloading“). Die Gesamtförderung bleibt unverändert, der Fördereffekt wird jedoch zeitlich vorgezogen.

Beispielhafte Verteilung:

  • 2026: 80 % der förderfähigen Menge
  • 2027: 50 %
  • 2028: 20 %

Im Vergleich zu einer gleichmäßigen Verteilung entsteht damit der höchste Fördereffekt im ersten Jahr. Diese Logik ist bewusst gewählt, um zu Beginn den größten Entlastungseffekt zu erreichen. Unternehmen erhalten frühere Liquiditätsfreisetzung und können Investitionen dadurch schneller umsetzen.

Zielgruppe und Förderlogik: Keine Gießkanne

Der Industriestrompreis richtet sich gezielt an Unternehmen, die stromintensiv sind, international im Wettbewerb stehen und ein erhebliches Verlagerungsrisiko aufweisen.

Begünstigt werden insbesondere 91 (Teil-)Sektoren der KUEBLL-Teilliste 1, darunter Chemie-, Metall-, Glas- und Keramikindustrie sowie Batteriezell- und Halbleiterproduktion.

Weitere Sektoren und Unternehmen kommen für die Förderung infrage, sofern sie die Kriterien nach Rn. 116, 117 CISAF (Strom- und Handelsintensität) erfüllen und von der EU-Kommission anerkannt werden.

Branchen außerhalb der Liste 1 sollten entsprechende Nachweise frühzeitig erbringen, insbesondere bei veränderten Kennzahlen seit 2013–2015.
Tier-1- vs. Tier-2-Verbrauch:
  • Tier 1: Stromverbrauch der förderfähigen Haupttätigkeit (beihilfefähig)
  • Tier 2: Strom für Verwaltung, Nebentätigkeiten etc. (nicht förderfähig)

Gegenleistungen, Flexibilität und Systemwirkung

Mindestens 50 % der erhaltenen Beihilfe müssen in Maßnahmen reinvestiert werden, die zur Flexibilisierung des Stromsystems und zur Dekarbonisierung beitragen. Dazu zählen unter anderem Speicherlösungen, Nachfrageflexibilisierung, Energieeffizienz und Elektrifizierung.

Die Investitionen müssen innerhalb von 48 Monaten umgesetzt werden und können auch an Dritte übertragen werden.

Der Flexibilitätsbonus

Unternehmen, die mindestens 80 % ihrer Gegenleistungen in Nachfrageflexibilität investieren, erhalten einen Bonus von 10 % auf die Beihilfe.

Von diesem Bonus müssen wiederum mindestens 75 % im Sinne der Subvention investiert werden.

Mit Einklang den Industriestrom strategisch nutzen und dauerhaft profitieren

Der Industriestrompreis fordert nicht nur Flexibilität, sondern belohnt sie wirtschaftlich. Hier setzt Einklang an. Die Industrieprodukte von Einklang können wesentlich zur Maximierung der Wirkung des Industriestrompreises beitragen.

Da die Förderung an Referenzpreise des Terminmarktes gekoppelt ist, erhöht eine preisoptimierte, datenbasierte Strombeschaffung unmittelbar die reale Entlastungswirkung der Subvention. Gleichzeitig ermöglichen die Lösungen von Einklang eine strukturierte Reinvestition der freigesetzten Liquidität, insbesondere in Maßnahmen zur Nachfrageflexibilisierung. So kann zusätzlich der Flexibilitätsbonus erschlossen werden.

Mit der Energy-as-a-Service-Lösung, der vertikalen Integration von Batteriespeichern,intelligenter Verbrauchsoptimierung und dynamischen Stromtarifen wird aus einer zeitlich begrenzten Förderung ein dauerhafter Effizienz- und Kostenvorteil auch über den Subventionshorizont hinaus.

Auch Unternehmen ohne Anspruch auf den Industriestrompreis profitieren: Durch die Optimierung der Energieversorgung lassen sich Energiekosten senken, Risiken reduzieren und Planungssicherheit erhöhen. Damit wird Flexibilisierung nicht nur zur Antwort auf Förderlogiken, sondern zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor.
In der Kombination aus optimierter Beschaffung, gezielter Reinvestition und Flexibilitätsinvestitionen lässt sich somit das wirtschaftlich bestmögliche Ergebnis aus der Subvention erzielen.

Ein Brückenstrompreis mit klaren Grenzen

Der Industriestrompreis ist bewusst keine Gießkannensubvention. Viele Unternehmen, insbesondere KMUs und Betriebe außerhalb der begünstigten Sektoren, bleiben trotz hoher Energiekosten ohne direkten Förderanspruch.

Hinzu kommt der begrenzte Förderzeitraum von nur drei Jahren. Industrielle Beschaffungs- und Investitionszyklen liegen jedoch häufig bei fünf bis fünfzehn Jahren. Die rückwirkende Auszahlung erschwert zusätzlich die Liquiditätsplanung.

Die zentrale Erkenntnis: Langfristige Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Subventionen allein, sondern durch strukturelle Verbesserungen der Energiebeschaffung und das für alle.

Fazit

Der Industriestrompreis 2026–2028 ist eine zeitlich begrenzte Entlastung – zugleich aber ein Katalysator für neue, flexiblere Energiemodelle. Sein nachhaltiger Nutzen entsteht dort, wo Unternehmen Strom nicht nur einkaufen oder erzeugen, sondern aktiv steuern.Davon profitieren Industrieunternehmen ebenso wie Erzeuger. Wer Flexibilität systematisch nutzt, schafft langfristige Kostenvorteile und stärkt seine Wettbewerbsfähigkeit – unabhängig von der Frage, ob eine Förderung greift oder nicht.

Datum
9.2.2026
Autorin
Lea Lotter-Becker | Projektmanagerin Einklang
Die Gründer von Einklang gemeinsam im Büro vor einem Computerbildschirm.